Personal Vision im Top-Management – wie Führungskräfte Klarheit gewinnen

Personal Vision im Top-Management – wie Führungskräfte Klarheit gewinnen

Karrieren im Top-Management verlaufen selten geradlinig. Jobverlust, Umbrüche oder persönliche Krisen zwingen viele Führungskräfte irgendwann zu einer grundlegenden Frage: Was will ich wirklich? Eine persönliche Vision kann in solchen Momenten Klarheit, Richtung und neue Energie geben.

Ein Beitrag von Michael Obert

„Ich bin raus“, sagte der hochgewachsene, schlanke Mann mit sympathischem Lächeln, als er ins Coaching kam. „Ich fühle mich wie ausgespuckt.“ Er war Mitte fünfzig, hatte zwei Kinder und war bis vor wenigen Wochen Geschäftsführer in einem MDAX-Unternehmen gewesen. Mit Vollgas auf der Überholspur – und dann plötzlich: Stillstand. Viele Top-Managerinnen und -Manager verlieren mindestens einmal in ihrer Karriere ihren Job. McDonald’s-CEO Steve Easterbrook wurde wegen einer Affäre entlassen. Uber-Gründer Travis Kalanick musste seinen Posten räumen. Auch Jennifer Morgan verlor ihre Position an der Spitze von SAP. So erging es auch meinem Klienten.

Was nach einem Jobverlust im Top-Management passiert

Die Liste der Jobverluste auf den höchsten Managementebenen ist lang. Die Gründe sind vielfältig: Machtkämpfe, strategische Fehlentscheidungen, wachsender Leistungsdruck in Zeiten von Globalisierung, Digitalisierung und permanentem Wandel. Auch wirtschaftliche Krisen verstärken diese Dynamik. In solchen Phasen schrumpft die Zahl attraktiver Top-Positionen und der Wettbewerb wird härter. Die viel zitierte dünne Luft in den Chefetagen wird noch dünner. Für viele Führungskräfte liegt die Reaktion deshalb auf der Hand: möglichst schnell eine neue Spitzenposition finden und auf die Erfolgsspur zurückkehren. Nicht so mein Klient. Er erkannte etwas Entscheidendes: Im straff getakteten Leben eines Top-Managers bietet sich nur selten die Gelegenheit, aus dem Tunnel der 90-Stunden-Wochen herauszutreten. Die unfreiwillige Auszeit wurde für ihn zu einer Chance.

Er stellte sich Fragen, die im Alltag oft keinen Platz haben:
Wo will ich eigentlich hin?
Was ist mir wirklich wichtig?
Was macht für mich Sinn?
Kurz: Was ist meine persönliche Vision?

Was eine persönliche Vision wirklich ist

Die persönliche Vision beschreibt das große Ganze eines Lebens. Oft wird Vision mit Zielen verwechselt. Geld, Karriere, Beförderung, sportliche Bestleistungen – das sind Ziele. Sie beantworten die Frage nach dem Was. Die Vision beantwortet die Frage nach dem Warum. Warum tue ich, was ich tue? Was möchte ich im Leben bewirken? Welche Spuren will ich hinterlassen? Eine persönliche Vision schafft Klarheit darüber, was wirklich zählt.

Sie wirkt wie ein Leuchtturm, der auch in schwierigen Situationen Orientierung gibt. Genau deshalb können Führungskräfte wichtige Entscheidungen konsequenter treffen und authentischer kommunizieren. Mehr über diese Idee spreche ich auch im Interview „Die Vision ist wie ein Leuchtturm“ 

Warum Vision heute zu den wichtigsten Führungskompetenzen gehört

Helmut Schmidt sagte einmal: „Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen.“ Doch in einer Welt des permanenten Wandels gilt heute eher das Gegenteil. Die meisten Führungskräfte arbeiten intensiv an Strategie, Wachstum und Unternehmensvision.
Doch nur wenige nehmen sich die Zeit, eine persönliche Vision für ihr eigenes Leben zu entwickeln. Dabei gehört Vision zu den wichtigsten Kompetenzen moderner Führung. Genau an diesem Punkt setze ich in meiner Arbeit mit Führungskräften an –etwa in der CEO Vision Journey, in der CEOs und Unternehmer ihre persönliche Vision schärfen und daraus klare strategische Entscheidungen entwickeln. (CEO Vision)

Unternehmerinnen und Unternehmer wie Oprah Winfrey oder Mark Zuckerberg zeigen, wie stark eine persönliche Vision Unternehmen prägen kann. Auch in Deutschland gibt es zahlreiche Beispiele. Michael Otto richtete die Otto Group früh entlang seiner Vision einer nachhaltigeren Wirtschaft aus. Studien zeigen: Menschen, die ihrer Vision folgen, schöpfen Motivation und Energie von innen heraus. Sie arbeiten fokussierter, bleiben resilienter und treffen klarere Entscheidungen.

Die Kraft einer persönlichen Vision

Welches Potenzial in einer Vision steckt, wurde mir besonders in den 1990er-Jahren bewusst. Damals arbeitete ich noch als Auslandsjournalist und berichtete aus Krisen- und Kriegsgebieten. In Südafrika fragte ich Nelson Mandela einmal, was ihm unter dem Apartheid-Regime die Kraft gegeben habe, 27 Jahre im Gefängnis durchzuhalten. Mandela lächelte und sagte: „Die Gewissheit, dass Schwarze und Weiße eines Tages nebeneinander im Bus sitzen dürfen.“ Für diese Vision kämpfte er – bis die Apartheid besiegt war. Eine starke Vision kann enorme geistige und emotionale Kräfte freisetzen. Wer seine Vision kennt, weiß, wohin er will. Wer weiß, wohin er will, kann seinen Weg entschlossen gehen. Gerade für Führungskräfte ist diese Klarheit entscheidend.

Warum viele Top-Manager trotz Erfolg innerlich zweifeln

Nach tausenden Coaching-Stunden weiß ich: Viele Top-Executives führen ein Leben, das von außen betrachtet beneidenswert wirkt. Sie verdienen gut. Sie tragen Verantwortung. Sie werden bewundert. Und dennoch fühlen sich manche innerlich orientierungslos. Denn selbst große berufliche Erfolge garantieren keine innere Zufriedenheit. Warum das so ist, beschreibe ich auch im Beitrag „Alles erreicht – und trotzdem nicht glücklich?“

Viele sehr erfolgreiche CEOs und Unternehmer beschreiben ihr Gefühl im Coaching mit ähnlichen Worten:
„Ich fühle mich wie im falschen Film.“
„Ich weiß nicht mehr, warum ich das alles mache.“
„Irgendetwas stimmt nicht.“

Top-Managerinnen und Top-Manager sind eben auch Menschen.

Wie Führungskräfte ihre persönliche Vision entwickeln

Gerade für Executives, Unternehmerinnen und Unternehmer habe ich deshalb die Personal Vision Journey entwickelt.

In dieser strukturierten Begleitung entwickeln meine Klientinnen und Klienten über einen Zeitraum von drei Monaten Schritt für Schritt ihre persönliche Vision. Sie gewinnen Klarheit über

  • ihre aktuelle Lebenssituation
  • ihre wichtigsten Werte
  • ihre Stärken und Fähigkeiten
  • die Themen, für die sie wirklich brennen

Am Ende entsteht ein persönliches Mission Statement, das die Vision konkret formuliert und im Alltag abrufbar macht. In diesen Sessions kommt es oft zu echten Gänsehaut-Momenten – Momenten großer Klarheit.

Wenn eine Vision plötzlich alles verändert

„Das ist es!“, rief mein Klient, der ehemalige MDAX-Geschäftsführer, als seine Vision klar wurde. Seine Augen leuchteten. Seine Haltung veränderte sich.
Plötzlich war wieder Energie da. Seine Vision: ein Leben mit seiner Familie in Asien, verbunden mit einer neuen beruflichen Herausforderung. Heute lebt er diese Vision als Geschäftsführer eines Technologieunternehmens in Singapur. Was lange unmöglich erschien, wurde plötzlich real. Oder wie Mahatma Gandhi sagte: „It’s not the man that makes the vision. It’s the vision that makes the man.“

Tiefer einsteigen

Wenn Sie als Führungskraft oder Unternehmer an einem Punkt stehen, an dem Sie sich neu orientieren oder Ihre persönliche Vision schärfen möchten, begleite ich Sie gerne dabei.

Mehr zur Personal Vision Journey
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Michael Obert arbeitet als Executive Coach und Trusted Advisor seit vielen Jahren mit CEOs, Unternehmern und Führungskräften an der Entwicklung ihrer persönlichen Vision.