Karriere nach der Karriere – Personal Vision im Profi-Fußbal

Karriere nach der Karriere – Personal Vision im Profi-Fußball

Die Karriere eines Profifußballers endet meist früh. Mit Anfang dreißig ist für viele Schluss – und plötzlich verstummt der Applaus. Was folgt, ist oft ein tiefer persönlicher Umbruch. Warum gerade Spitzensportler nach ihrer aktiven Zeit häufig mit Identitätsfragen kämpfen – und wie eine persönliche Vision helfen kann, eine neue Richtung zu finden.

Ein Beitrag von Michael Obert

„32, letztes Spiel – aus.“
„Noch ein paar Werbeverträge vielleicht“, sagte mein Klient, ein ehemaliger Profi-Fußballer aus dem Ruhrgebiet, der sogar in der Nationalelf gespielt hatte. „Dann wird es still um dich. Niemand jubelt dir mehr zu – und zuhause wackelt es auch.“
Franz Beckenbauer, Uli Hoeneß, Günter Netzer oder Uwe Seeler gehören zu den wenigen Profifußballern, die nach ihrer aktiven Zeit eine zweite erfolgreiche Karriere als Trainer, Vereinsrepräsentant oder Fernseh-Experte aufbauen konnten. Doch was wird eigentlich aus all den anderen?

Studien zeigen, dass nur etwa zwei von zehn Profifußballern nach ihrer aktiven Karriere im Fußballsystem bleiben. Viele haben „immer nur Fußball gespielt“, wie sie selbst sagen. Andere Entwicklungserfahrungen als Jugendliche und junge Erwachsene haben sie ihrer sportlichen Leidenschaft geopfert. Drei Viertel aller Profis fühlen sich schlecht auf das Karriereende vorbereitet. Ihre aktive Laufbahn ist minutiös geplant – was danach kommt, bleibt oft unklar.

Der Mythos Fußballstar – fern der Realität

„Als Topspieler wirst du überall umschwärmt“, erklärte mein Klient. „Im Restaurant wollen die Leute deine Unterschrift, du bist ständig in den Medien und hast Millionen Follower auf Social Media.“ Doch wenn die Karriere endet, verstummt der Applaus. „Irgendwann bist du durchsichtig wie Luft.“ Für viele Menschen klingt das Leben eines Fußballstars wie ein Märchen: Millionen verdienen, ausgesorgt haben und den Rest des Lebens auf Ibiza Cocktails trinken. Meine Erfahrung im Coaching zeigt jedoch ein anderes Bild. Die meisten ehemaligen Profis müssen nach ihrer Karriere arbeiten, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Und selbst für die Millionäre gilt: Wenn ihre aktive Laufbahn endet, beginnt oft eine schwierige Phase. Eben noch gefeierter Fußballstar – plötzlich nur noch Ex-Profi. Ohne Plan. Ohne Struktur. Ohne Applaus. Viele geraten in finanzielle Schwierigkeiten oder kämpfen mit Depressionen und Burnout.

Karriere nach der Karriere ist eine Frage der Identität

So auch mein Klient aus dem Ruhrgebiet, gerade Mitte dreißig. Sein letztes Spiel hatte ihn „richtig ausgeknockt“, sagte er. Obwohl er wusste, dass dieser Moment irgendwann kommen würde. Seit seinem fünften Lebensjahr hatte er Fußball gespielt. Sein gesamtes Leben war auf diesen Sport ausgerichtet gewesen. Mit dem Karriereende endete nicht nur ein Beruf – sondern eine Identität. Viele Hochleister erleben ähnliche Momente auch außerhalb des Sports, etwa nach großen beruflichen Erfolgen. Warum solche Wendepunkte häufig eine Sinnfrage auslösen, beschreibe ich im Artikel „Alles erreicht – und trotzdem nicht glücklich?“.

Die Berater meines Klienten, die jahrelang gut an ihm verdient hatten, verschwanden. Seine Ehe zerbrach. Die Kinder waren unglücklich. „Weil immer nur der Fußball an erster Stelle stand“, sagte er. Zum ersten Mal musste er sich eine grundlegende Frage stellen: „Wer bin ich eigentlich ohne Fußball?“

Warum viele Spitzensportler nach der Karriere in eine Krise geraten

Im Coaching mit Profi-Sportlern begegnet mir häufig ein Phänomen, das ich auch aus meiner Zeit als Auslandsjournalist in Krisenregionen kenne. Hochleister definieren ihre Identität stark über ihre berufliche Rolle. Auch viele Top-Manager kennen dieses Muster. In der Psychologie spricht man hier von Selbstkomplexität. Je mehr unterschiedliche Lebensbereiche unsere Identität tragen – etwa Beruf, Familie, Freundschaften, Interessen oder Engagement –, desto stabiler ist unser Selbstbild. Spitzensportler hingegen bauen ihr gesamtes Leben oft auf eine einzige Säule: den Sport. Wenn diese Säule wegbricht, gerät das ganze Gebäude ins Wanken.

Warum eine Personal Vision beim Karriereende helfen kann

Gerade deshalb ist es entscheidend, sich frühzeitig mit der Karriere nach der Karriere auseinanderzusetzen. Im Coaching arbeite ich mit vielen Hochleistern daran, eine starke persönliche Vision zu entwickeln – ein ganzheitliches Bild der eigenen Zukunft. In der Personal Vision Journey entwickeln meine Klientinnen und Klienten diese Vision Schritt für Schritt und übersetzen sie in eine neue Richtung für ihr Leben. Mehr über diese Arbeit beschreibe ich auch im Artikel Personal Vision im Top-Management

Eine solche Vision hilft, Werte, Stärken und Interessen neu zu sortieren und daraus eine neue Richtung zu entwickeln. Statt in ein Loch zu fallen, entsteht eine Perspektive. Eine neue Leidenschaft. Ein neues Kapitel.

Mentale Vorbereitung auf das Leben nach dem Profisport

Auch der Ex-Profi aus dem Ruhrgebiet entwickelte im Coaching seine persönliche Vision. Er definierte seine Werte, erkannte seine Stärken und übersetzte diese in eine neue berufliche Identität. Heute arbeitet er als Unternehmer. Applaus im Stadion braucht er nicht mehr. Motivation und Bestätigung zieht er aus seiner neuen Rolle. Natürlich sind auch Sportprofis letztlich für ihr Leben selbst verantwortlich. Trotzdem finde ich es erstaunlich, wie wenig sich Vereine, Berater oder Spielergewerkschaften um die Zeit nach der Karriere kümmern. Viele Spieler werden nach ihrem letzten Spiel behandelt wie ausgediente Klamotten. Dabei bringen gerade ehemalige Profis enormes Potenzial mit – als Vorbilder, Unternehmer oder Mentoren.

Fazit: Auch Spitzensportler brauchen eine Vision für ihr Leben

Der Mythos Profifußballer verdeckt oft eine einfache Wahrheit: Hinter den Stars stehen ganz normale Menschen. Sie haben Ängste, Zweifel und Hoffnungen. Und wenn die Profi-Bubble platzt, brauchen sie Orientierung. Eine persönliche Vision kann helfen, diese Orientierung zu finden – im Profisport ebenso wie im Management oder im Unternehmertum.

Tiefer einsteigen

Wenn Sie an einem Punkt stehen, an dem Sie sich neu orientieren oder Ihre persönliche Vision schärfen möchten, begleite ich Sie gerne dabei.

Mehr zur Personal Vision Journey
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Michael Obert arbeitet als Executive Coach und Trusted Advisor seit vielen Jahren mit CEOs, Unternehmern und Führungskräften an der Entwicklung ihrer persönlichen Vision.