Sinn im Top-Management – warum innere Klarheit für Führung entscheidend ist

Sinn im Top-Management – warum innere Klarheit für Führung entscheidend ist

Top-Manager tragen enorme Verantwortung, bewegen große Hebel und prägen Unternehmen und Gesellschaft. Trotzdem erleben viele Führungskräfte irgendwann eine Sinnkrise. Warum gerade Menschen in Spitzenpositionen häufig nach Orientierung suchen – und wie eine persönliche Vision helfen kann, neuen Sinn zu finden.

Ein Beitrag von Michael Obert

Sinnhaftigkeit im Top-Management – es gibt nur wenige berufliche Rollen, bei denen sie so naheliegend erscheint. Und trotzdem: In den Chefetagen leiden viele Führungskräfte unter einer Sinnkrise. Doch was macht eigentlich Sinn? Und wie bekommen wir mehr davon in unsere Arbeit und in unser Leben?

Warum Sinn zur wichtigsten Währung unserer Zeit geworden ist

Eigentlich sollte es im Top-Management kaum an Sinn fehlen. Top-Executives folgen meist einer starken Vision, bewegen zentrale Hebel und bringen Dinge in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft voran. Führung auf höchstem Niveau bedeutet auch, Vorbild zu sein, Menschen zu inspirieren und Entwicklungen zu gestalten. Natürlich müssen dabei auch die Zahlen stimmen. Und dennoch stecken viele Führungskräfte in einer Sinnkrise. Trotz Einfluss, Macht und Verantwortung fehlt es ihnen häufig an spürbarer Wirkung. Ihre Arbeit löst sich in der Intransparenz komplexer globaler Prozesse auf. Viele fühlen sich um Anerkennung gebracht – oder fragen sich insgeheim, ob ihr Unternehmen tatsächlich zu einer besseren Welt beiträgt.

Was Sinn im Leben wirklich bedeutet

Persönlicher Lebenssinn – nicht zu verwechseln mit dem Sinn des Lebens – ist kein Gefühl wie Angst, Wut oder Freude. Die Sinnforscherin Tatjana Schnell, Professorin an der Universität Innsbruck, beschreibt es so „Sinnerfüllung ist die grundlegende Erfahrung, dass das eigene Leben sinnhaft und wertvoll ist, dass es sich lohnt, gelebt zu haben.“ Sinn entsteht also aus der Bedeutung, die wir unseren Handlungen und Erfahrungen zuschreiben. Was für den einen sinnstiftend ist, kann für andere bedeutungslos sein. Bewusst wird uns Sinn oft erst dann, wenn er plötzlich fehlt – als Sinnkrise.

Warum Sinnkrisen häufig durch Wendepunkte im Leben entstehen

„Angesichts der Probleme auf der Welt ist das doch Jammern auf hohem Niveau“, sagte kürzlich eine sehr erfolgreiche Geschäftsführerin aus der Medienbranche zu mir. Sie war von ihrem Vorstand systematisch um ihre Erfolge gebracht worden. Man schrieb ihre Leistungen anderen zu, sie wurde gemobbt und schließlich entlassen. Der später gewonnene Rechtsstreit änderte nichts daran, dass sie danach alles, was sie tat, als sinnlos empfand. Ihre Sinnfrage erschien ihr selbst peinlich. „Ein Luxusthema“, sagte sie.
„Ich verstehe nicht, warum ich nicht einfach weiterleben kann.“ Doch die Sinnfrage stellt sich fast immer dann, wenn der Fluss unseres Lebens unterbrochen wird.
Krankheit.
Trennung.
Jobverlust.
Krisen oder gesellschaftliche Umbrüche.

Solche Ereignisse verändern unsere Perspektive und machen das Warum plötzlich zu einer existenziellen Frage.

Wie Menschen Sinn in ihrem Leben finden

In ihren Studien zeigt Tatjana Schnell, dass Menschen ihr Leben als sinnvoll erleben, wenn vier Elemente zusammenkommen: Kohärenz – das Gefühl, dass das eigene Leben verständlich und stimmig ist.
Bedeutsamkeit – das Gefühl, etwas Wertvolles zu tun.
Orientierung – ein klarer innerer Kompass.
Zugehörigkeit – Teil einer Gemeinschaft zu sein.

Vor einigen Generationen entstand dieser Sinn häufig ganz selbstverständlich. Meine Großeltern hatten vier Kinder, gehörten zu einer Dorfgemeinschaft, gingen regelmäßig in die Kirche und lebten als Bauern im Rhythmus der Jahreszeiten. Sinn stellte sich damals kaum als Frage. Er war Teil der Lebensrealität.

Warum Sinn im 21. Jahrhundert zur persönlichen Aufgabe geworden ist

Heute ist das anders. In unserer modernen, hochkomplexen Gesellschaft müssen wir Sinn selbst gestalten. Familie, Religion oder gesellschaftliche Strukturen geben uns immer seltener einen festen Rahmen. Orientierung, Zugehörigkeit und Bedeutung entstehen zunehmend durch persönliche Entscheidungen. Sinn ist damit zu einer kostbaren Währung unserer Zeit geworden. Für viele Menschen ist diese Freiheit eine große Chance. Für andere wird sie zur Überforderung.

Wenn Menschen Sinn und Zugehörigkeit verlieren

In meiner Zeit als Auslandsjournalist habe ich extreme Beispiele dafür gesehen. Menschen, die sich nach autoritären Systemen sehnten. Oder junge Europäer, die sich extremistischen Gruppen anschlossen. Nicht unbedingt aus religiöser Überzeugung – sondern weil sie dort etwas fanden, das ihnen fehlte:
Identität
Zugehörigkeit
Sinn.

Auch im Top-Management zeigt sich dieses Phänomen in abgeschwächter Form. Die Wirkung des eigenen Handelns bleibt oft unklar. Die Frage nach dem Warum wird dadurch immer drängender.

Warum persönliche Vision Führungskräften Orientierung gibt

Diese Sinnfrage kann auch eine Einladung sein. Eine Einladung, bewusst zu entscheiden, welchen Beitrag wir leisten und welchen Weg wir gehen möchten. Als Menschen konstruieren wir ständig Sinn für unser Leben. Besonders gut gelingt das, wenn unser Handeln mit unseren persönlichen Werten und Überzeugungen übereinstimmt. Genau hier setzt die Arbeit an einer persönlichen Vision an. In der CEO Vision Journey arbeite ich mit CEOs und Unternehmern daran, diese Vision zu entwickeln und daraus Orientierung für Führung und strategische Entscheidungen zu gewinnen.

Eine persönliche Vision hilft, Klarheit darüber zu gewinnen, wofür wir stehen, welchen Beitrag wir leisten möchten
und in welche Richtung wir unser Leben entwickeln wollen.

Mehr darüber beschreibe ich auch im Artikel „Personal Vision im Top-Management“ 

Wenn Führungskräfte ihren persönlichen Sinn neu definieren

Meine Klientin aus der Medienbranche entschied sich schließlich für Veränderung. Heute arbeitet sie als Medienberaterin und setzt sich mit ihrem eigenen Unternehmen für ein menschlicheres Verständnis von Arbeit in Zeiten von Globalisierung und Digitalisierung ein. Damit hat sie ihren persönlichen Sinn neu definiert.

Fazit: Sinn entsteht, wenn wir bewusst eine Richtung wählen

Der Begriff „Sinn“ geht auf die indogermanische Wurzel sent zurück und bedeutet ursprünglich: eine Richtung wählen. eine Spur verfolgen. Sinn entsteht also nicht am Ziel, sondern auf dem Weg. Oder wie Tatjana Schnell schreibt: „Das eigene Leben wird als sinnvoll wahrgenommen, wenn es Gestalt annimmt als eine Geschichte.“ Eine Geschichte, die wir selbst gestalten und schreiben.

Tiefer einsteigen

Wenn Sie an einem Punkt stehen, an dem Sie sich neu orientieren oder Ihre persönliche Vision schärfen möchten, begleite ich Sie gerne dabei.

Mehr zur Personal Vision Journey
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Michael Obert arbeitet als Executive Coach und Trusted Advisor seit vielen Jahren mit CEOs, Unternehmern und Führungskräften an der Entwicklung ihrer persönlichen Vision.